BRESCIA

Brescia zählt heute ca. 200.000 Einwohner, ist die zweitgrößte Stadt der Lombardei und ein wichtiges Wirtschafszentrum. 2011 wurde die Stadt auch zum Weltkulturerbe erhoben, und zwar unter dem Titel „Die Langobarden in Italien, Orte der Macht (568 – 774)“.

Das von den keltischen Cenomanen gegründete BRIC (was so viel bedeutet wie Anhöhe, Hügel) wurde 225 v. Chr. römisch, als sich die Cenomanen den Römern unterwarfen; diese nannten die Stadt BRIXIA. In der von Augustus 27 v. Chr. gegründeten Kolonie ließ Kaiser Vespasian als Dank für die Unterstützung bei der Wahl, einen großen Tempel errichten, der drei Gottheiten gewidmet war. Reste dieses Bauwerkes kann man heute noch unter dem Begriff CAPITOLIUM bewundern.
Nach den Stürmen der Völkerwanderung kehrte unter dem Langobardenkönig ALBOIN wieder Ruhe ein. Brescia wurde eines der 36 langobardischen Herzogtümer und brachte zwei Könige hervor: 636 ROTARI und 757 DESIDERIUS; unter ihm wurde Brescia ein bedeutendes kulturelles Zentrum: 753 gründete Desiderius zusammen mit seiner Gattin Ansa das Kloster San Salvatore und stattete es reich mit Reliquien aus. Er vermählte seine Tochter Desideria 770 mit Karl dem Großen, der die Gattin aber nach wenigen Jahren verstieß und mit seinem Heer nach Italien zog und dem Langobardenreich ein Ende bereitete.
Von der Herrschaft der deutschen Könige und Kaiser suchte sich Brescia (und viele andere Städte in Norditalien) zu befreien und trat der LEGA LOMBARDA bei, die Kaiser Friedrich Barbarossa bei LEGNANO besiegte und im Frieden von Konstanz die Unabhängigkeit erlangte. In den Folgejahren wurde die Stadt immer wieder von den Nachbarstädten, besonders von Mailand und Verona, unterworfen und unterstellte sich 1426 der Serenissima Repubblica di Venezia bis zu deren Ende 1797. Im Wiener Kongress wird das Königreich Lombardo-Venetien den Habsburgern zugeteilt; nach dem 2. Unabhängigkeitskrieg wird die Stadt 1859 Teil des Königreiches Italien.
Diese verschiedenen Abschnitte in der Geschichte von Brescia sind noch heute gut im Stadtbild zu erkennen:
Von der römischen Siedlung sind südlich des Burgberges noch das Forum, das Theater und der Tempio Capitolino zu erkennen, während zahlreiche Fundstücke aus dieser Zeit im Museo Archeologico bewundert werden können, wie z.B. 6 griechische Bronzeköpfe und die VITTORIA ALATA, die geflügelte Siegesgöttin.

SAN SALVATORE beherbergt heute, zusammen mit dem Klosterkomplex von SANTA GIULIA und dem Oratorium Santa Maria in SOLARIO das MUSEO CRISTIANO, das weitere Prunkstücke nicht nur aus langobardischer Zeit aufzuweisen hat, wie z.B. das bedeutende Kreuz des DESIDERIUS.
Zentrum der LIBERO COMUNE (der freien Stadt) ist der DOMPLATZ mit der TORRE del Popolo (11. JH), dem BROLETTO (dem alten Stadthaus, aus dem Ende des 12. JH) und dem ALTEN DOM oder ROTONDA, errichtet zu Beginn des 12. JH. 1604 wurde hier an der Stelle von San Pietro de Dom der NEUE DOM erbaut, der allerdings erst 1825 fertiggestellt wurde.

Die Venezianische Herrschaft hatte ihr Zentrum in der PIAZZA della LOGGIA, mit dem gleich-namigen Regierungsgebäude, der TORRE DELL’OROLOGIO und den MONTI di PIETA‘, den Leihhäusern.In vielen Stadtführern etc. wird ein weiterer Platz nur ganz nebenbei erwähnt oder überhaupt verschwiegen: PIAZZA della VITTORIA: das Zentrum des faschistischen Brescia.

Heute ist Brescia eine moderne Stadt mit U-Bahn und Müllverbrennungsanlage. Die Metallverarbei-tung war schon immer eine Stärke der Stadt: zuerst mit der Herstellung von Rüstungen und Waffen, dann mit Elementen für die Kraftfahrzeugindustrie.

Hier wurde auch das berühmte Autorennen, die MILLE MIGLIA, erfunden, das heute noch mit Oldtimern fortgeführt wird und dem in Brescia auch ein Museum gewidmet ist.